Moskauaustausch 2015 - Kolomenskoje

Moskauaustausch 2015 – Kolomenskoje

„Und es wurde Abend und es wurde Morgen. Der vierte Tag“ (Gen 1, 19)

Der Morgen verlief heute so wie immer, das dachte ich zumindest. Es fing alles normal an: Mein Wecker hat geklingelt, ich habe gefrühstückt – heute gab es Omelett- und mich angezogen. Alles schön und gut. Aber dann habe ich erfahren, dass ich heute mit Vera, der Großmutter von Ksuscha, in die Schule fahren soll. Ohne Ksu. Das alleine wäre ja nicht so schlimm, nur leider kann Vera weder deutsch noch englisch, und so stellte sich das alles etwas schwieriger heraus. Naja, wir sind dann losgegangen und da ich den Weg schon kannte, war es doch nicht so schlimm. Ich bin nur einmal fast ohne Vera weitergegangen, da sie sich eine Zeitung gekauft hatte. Diese hat sie mir dann in der Metro- wir waren sehr früh, also haben wir noch einen Sitzplatz bekommen – in die Hand gedrückt. Man bedenke, ich kann kein russisch und habe mir deshalb nur die Bilder und das Fernsehprogramm abgeschaut. Ich fand es sehr erstaunlich, dass es in Russland auch den Disney Channel gibt und das dort auch Phines und Ferb läuft, eine Serie, die ich früher gerne gesehen habe. In der Schule angekommen, wünschte mir Vera auf Russisch noch einen schönen Tag. Diese Wörter hat mir Ksu heute morgen übersetzt, deshalb wusste ich, was sie sagt. Ich habe dann das Gleiche geantwortet und betrat das Schulgebäude.

Zuerst ist nichts besonderes passiert, wir haben uns nur als Gruppe getroffen und etwas über den gestrigen Tag geredet. Etwas später sind wir dann mit Frau Gorjunova in den Moskauer Stadtteil Kolomenskoje gefahren. Die Fahrt dahin war aufregend. Wir sind mehrfach umgestiegen, haben einmal drei Schülerinnen verloren und einmal einen Lehrer. Wir wollten nämlich alle in die Metro einsteigen, allerdings waren wir nicht schnell genug und drei von uns sind nicht mehr rein gekommen. Die Situation war etwas merkwürdig und ich habe mich gefragt, was jetzt passiert. Herr Hakuba hat noch durch die Tür fest gemacht und gesagt, dass sie in die nächste Bahn steigen sollen. Wir sind dann an der nächsten Station ausgestiegen und haben gewartet. Zum Glück haben sie Herrn Hakuba verstanden und sind mit der nächsten Bahn nachgekommen. Ich war sehr erleichtert. Die Fahrt ging weiter, wir mussten erneut umsteigen und dieses Mal haben wir unseren Lehrer, Herrn Hakuba, verloren. Er wollte eine Abkürzung nehmen und ist dabei falsch abgebogen. Frau Gorjunova hat sich dann auf die Suche nach ihm gemacht. Kaum war sie weg, kam er von einer anderen Richtung. Nur jetzt war Frau Gorjunova nicht mehr da… Herr Hakuba hat sich also auf die Suche nach ihr gemacht. Am Ende sind dann beide heil zum Gleis gekommen. Also ging es allen gut, außer mir. Es ist in der Metrostation einfach sehr laut und ich hatte das Gefühl, mir fallen meine Ohren ab. Irgendwann habe ich mir die dann einfach zu gehalten, was geholfen hat. Auf jeden Fall sind wir dann ohne weitere Komplikationen angekommen. In Kolomenskoje haben wir uns eine Sommerresidenz von einem Russischen Zaren angesehen. Es war sehr interessant, da das ganze Gebäude aus Holz gebaut wurde. Die Dächer waren auch sehr schön geschmückt. Mit Verzierungen und kleinen Plättchen in unterschiedlichen Grün- und Brauntönen. Von den Innenräumen war ich sehr beeindruckt. Es war alles bemalt und mit Gold verziert. Früher haben der Zar und seine Frau in unterschiedlichen Teilen der Residenz gewohnt, ansehen konnte wir uns allerdings nur den Teil des Mannes. Aber das war schon eindrucksvoll genug. Danach sind wir raus gegangen, in die Apfelhainen des Geländes. Herr Hakuba hat die Apfelbäume geschüttelt und die Äpfel sind runtergefallen und einer hat leider meine Schulter getroffen… Das war etwas schmerzhaft aber ich hab es ja zum Glück überlebt XD. Die Äpfel haben sehr gut geschmeckt.

Danach sind wir in eine Schlucht, zu einer mystischen Quelle und zu einem sagenumwobenen Felsen gegangen. Wenn man sich mit dem Quellwasser die Hände wäscht, soll ein Wunsch in Erfüllung gehen und der Felsen soll Energie für den Aufstieg aus dem Tal geben. Nachdem wir den Aufstieg aus dem Tal gut überstanden hatten, waren wir alle etwas erschöpft, dennoch sind wir auf einem Apfelbaum geklettert und haben ein Gruppenfoto gemacht. Das Klettern hat Spaß gemacht, leicht mulmig wurde uns, der Apfelbaum trug nun 11 Personen, die Lehrer am Baumstamm, die Schüler an den Ästen. Zum Glück hat er gehalten.

Wir wollten uns eigentlich beeilen, um zurück in die Schule zu kommen, da wir spät dran waren aber uns sind „Rasenmäher“ dazwischen gekommen. Ich weiß nicht, wie genau es dazu kam, aber Herr Hakuba hat mit den Arbeitern gesprochen und einige von unserer Gruppe durften dann mit den Rasenmähern über die Wiese fahren. Das habe ich echt gefeiert. Es war so lustig und hat einfach Spaß gemacht.

Danach sind wir wieder zur Metro gegangen und dieses mal haben wir niemanden verloren. Zum Glück. In der Metro waren wir alle sehr müde und ich bin fast eingeschlafen. Wir sind dann aber auch wieder gut an der Schule angekommen und dann nach Hause gefahren. Einige aus unserer Gruppe sind noch in eine Ballon-Ausstellung gegangen, ich allerdings nicht, da Ksu keine Zeit hatte. Wir gehen da aber in den nächsten Tagen noch hin. Ksu und ich sind nach Hause gefahren und haben, wer hätte das gedacht, etwas gegessen. Ich esse hier so viel, dass ich bestimmt mit 5 Kilo mehr nach Deutschland zurück komme. Nach dem Essen habe ich noch mit einer Freundin telefoniert und Ksu hat Hausaufgaben gemacht. Wir waren auch noch später kurz in einem Supermarkt und haben Tucs gekauft. Es gab viele Produkte, die es auch in Deutschland gibt und das hat mich etwas überrascht. Aber positiv. Ich habe gedacht, dass es fast keine ausländischen Produkte in Russland gäbe, aber ich habe mich wohl getäuscht. Heute werde ich früh ins Bett gehen, da ich wenig geschlafen habe und vom vielen Laufen müde bin.

Man könnte sagen: „Moskau macht muntere Mädchen müde!“

Schöne Grüße nach Düsseldorf und schlafen Sie gut!