Zeitzeugengespräche und Projekte zum Thema DDR

Zeitzeugengespräche und Projekte zum Thema DDR

„Ich wünsche mir, dass viele, …, sich die Frage stellen: Wie konnte diese Diktatur über 40 Jahre existieren? Die Jungen können ihre Eltern, Großeltern und Lehrer fragen: Wie war das damals? Und die Älteren, die es selbst erlebt haben, bitte ich, sich zu erinnern und ihr eigenes Verhalten, ohne Angst vor Ansehensverlust oder Karriere-Knick, zu hinterfragen. Die Auseinandersetzung mit dem Verhalten der Menschen in den Zwängen und Spielräumen der Diktatur ist bei der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit bisher viel zu kurz gekommen. (…)

Erst recht wollen wir lernen, wie eine Diktatur überwunden werden kann, wie es die Menschen in der DDR 1989 doch noch geschafft haben, sich selbst zu befreien von ihrer Angst und damit von der Diktatur.“

Roland Jahn: Rede zum Gedenken an die politisch Verfolgten. Gehalten am 17. Juni 2010 in Jena. (Auszug)
Es ist fatal im Rausch einer verklärenden „Ostalgie“ die Schattenseite der DDR nicht wahrnehmen zu wollen. Für die Schönredner ist die DDR ein Staat gewesen, in dem Chancengleichheit herrschte; es allen im Prinzip recht gut ging. Die Stasi und Ministerium für Staatssicherheit (MfS) werden als systembedingte Fehler relativierend wahrgenommen.

Übersehen wird, dass Anspruch auf Recht und Gerechtigkeit für denjenigen, der es wagte das System zu kritisieren oder in Frage zu stellen, nicht galt.
Missliebige Bürger wurden bespitzelt, inhaftiert, gefoltert oder ausgebürgert.

Hatte die DDR nicht Züge eines totalitären Willkürstaates? Muss man sie deshalb nicht als einen Unrechtsstaat bezeichnen?

Die Fachschaft Geschichte des Geschwister-Scholl-Gymnasiums will über die Obligatorik der Rahmenrichtlinien hinaus die Schülerinnen und Schüler in Projekten und Zeitzeugengesprächen für diese komplexe Thematik nachhaltig sensibilisieren.

Gertrud Deschner-Schmitt