Weitertragen, was wir begonnen haben...

Weitertragen, was wir begonnen haben…

Ich lebe dich
in mich herein

Wir atmen
uns
Welt zu
zerbrechliche

die bauen
wir Zerbrechliche

Rose Ausländer

 

Zeitzeugengespräch mit Frau Knoop-Graf

Ein Zeitzeugengespräch mit einer Dame, die die Mitglieder der Weißen Rose persönlich gekannt hat. Das hörte sich nach einer besonderen Gelegenheit für uns, die Schüler der 10. Jahrgangsstufe, an. Dementsprechend waren die Vorfreude und Spannung auf das Gespräch und auch die Motivation bei der Vorbereitung groß.

Frau Knoop-Graf ist die Schwester von Willi Graf, der zum Kern der Weißen Rose gehörte. Zu der Widerstandsgruppe aus der Zeit des Nationalsozialismus der auch die Namensgeber unserer Schule angehörten, Hans und Sophie Scholl.

Willi Graf und die Geschwister Scholl werden im Jahr 1943 gefasst, verurteilt und hingerichtet, ebenso wie Christoph Probst, Alexander Schmorell und Kurt Huber. Willi Graf stirbt als letzter von ihnen am 12.Oktober. Er wird am gleichen Tag wie Kurt Huber und Alexander Schmorell verurteilt, am 19.April. Knapp zwei Monate nachdem die Geschwister Scholl und Christoph Probst verurteilt und ermordet wurden. Die Gestapo hofft, Namen weiterer Widerstandskämpfer von Willi Graf zu erfahren, aber er schweigt.

Nun sollten wir also mit einer Frau sprechen können, die diese Menschen getroffen hatte. Das erweckte eine schwierig zu beschreibende Erwartung in uns.

Und diese wurde erfüllt. Frau Knoop-Graf erzählte uns über ihren Bruder. Beeindruckend war, außer dem was sie erzählte, auch wie sie es tat. Wie sie Zitate und wichtige Stellen durch Betonung und Pausen hervorhob. Ihre Art zu erzählen machte die Stunde, in der wir zuhörten, zu einem besonderen Erlebnis.

Willi Graf (geboren am 2. Januar 1918) wächst mit zwei Schwestern in Saarbrücken auf. Er ist von Anfang an gegen den Nationalsozialismus und weigert sich erfolgreich in die Hitlerjugend einzutreten, obwohl es ihm so erschwert wird sein Abitur zu machen. Er schafft es dennoch und beginnt 1937 sein Medizinstudium in Bonn. Ab 1940 muss er als Sanitäter in der Wehrmacht dienen und wird 1942 in eine Münchener Studentenkompanie versetzt, wo er Hans Scholl kennen lernt. Zusammen mit Alexander Schmorell dienen sie bis November 1942 in Russland an der Front. Danach setzen sie ihr Studium fort und auch Frau Knoop-Graf zieht nach München, um dort Sprachen zu studieren. Ihr Bruder schrieb ihr viele Briefe während der Zeit, in der er in der Wehrmacht diente und nun wollten die beiden zusammen wohnen.

Vorher wohnt Frau Knoop-Graf fünf Tage mit den Geschwistern Scholl zusammen. Sie beschreibt Hans als sehr offenen und auch attraktiven jungen Mann, während Sophie eher still und zurückhaltend war. Frau Knoop-Graf findet Sophie undurchsichtig, sie kann sie nicht richtig einordnen. Sophie scheint im Schatten ihres extrovertierten Bruders zu stehen.

Während der Zeit in der Frau Knoop-Graf mit ihrem Bruder zusammen lebte, weihte Willi Graf sie nicht in seine Aktivitäten im Widerstand ein. Das rettete ihr das Leben als sie zusammen mit ihrem Bruder im Februar 1943 verhaftet wird. Da sie nichts von der Weißen Rose wusste, wird sie wieder aus der Untersuchungshaft entlassen.

Ihr Bruder dagegen verbringt mehrere Monate im Gefängnis. Bis zum 12. Oktober. In dieser Zeit kann ihn seine Familie gelegentlich besuchen. Er schreibt Briefe. Sein letzter Brief an seine Schwester wird aus dem Gefängnis geschmuggelt. Darin trägt er ihr auf: „Weiterzutragen, was wir begonnen haben.“

Und das tut Frau Knoop-Graf. – Indem sie die Geschichte ihres Bruders veröffentlicht, über ihn schreibt und spricht, dafür sorgt, dass man ihn nicht vergisst, wofür er gekämpft hat und wogegen er gekämpft hat.
Pia Schwierz, 10b