Zeitzeugengespräch 2006: Herr Nathan Mageen

Zeitzeugengespräch 2006: Herr Nathan Mageen

Am 6. November 2006 besuchte Nathan Mageen, ehemals bekannt als Hans Mogendorff, das Geschwister Scholl Gymnasium, um den SchülerInnen der Stufe 10 von seinen Erlebnissen in der Zeit des Nationalsozialismus zu berichten. Diese hat er auch in seinem Buch „Zwischen Abend- und Morgenrot“ festgehalten, welches 2005 von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf herausgegeben
wurde.
Nathan Mageen wurde 1922 in Düsseldorf als Jude geboren und entschloss sich 1937 nach Holland auf Hachschara was einen ersten Schritt zur Auswanderung nach Palästina darstellte, zu gehen. 1940 schließlich, als die Deutschen auch Holland besetzten, wurde er durch sein gutes Holländisch und Deutsch wichtiges Mitglied in einer der zahlreichen niederländischen Widerstandsbewegungen, wo er zusammen mit Joachim Simon und Joop Westerweel zusammenarbeitete. In dieser Zeit erlebten er und seine Frau Fietje viel Fürchterliches, schlossen aber auch viele neue Bekanntschaften.
Lange wollte er nicht nach Deutschland zurückkehren, da dies das Land ist, in dem er viel Leid erfuhr und in dem seine Eltern und sein Bruder ermordet wurden. Er fasste schon während des Krieges viele seiner Erlebnisse, die später in seinem Buch verarbeitet wurden, zusammen und betätigte sich auch sonst kreativ.
Am Anfang des Gespräches in unserer Schule trugen drei Schüler aus dem evangelischem Religionskurs einige Kapitel aus seinem Buch vor. Daraufhin erzählte Nathan Mageen selbst. Er begann mit seiner Schulzeit, welche er in Deutschland verbrachte, und über erste nationalsozialistische Veränderungen, die sein Leben beeinträchtigten. Im ersten Jahr des Naziregimes hatte Hitlers Herrschaft noch keinen unmittelbaren Einfluss auf sein tägliches Leben.
Später dann war er sogar gezwungen auf eine Schule speziell für Juden zu wechseln.
Nathan Mageen lebte lange Zeit in Deutschland und trat schließlich dem holländischen Widerstand bei, als die Ausschreitungen gegen Juden immer ernster wurden. Unter anderem war er an einer Aktion beteiligt, bei der man erfolgreich versuchte ein Bevölkerungsregister verschwinden zu lassen, welches erst nach Ende des Krieges wieder geborgen
werden konnte. Nach langer Zeit im Widerstand versuchten seine Frau und er die Grenzen zu überschreiten und über Belgien und Frankreich nach Israel zu emigrieren, wurden jedoch in einer Gruppe mit anderen Flüchtlingen verraten und gefasst. Dank gefälschter Ausweise und falscher Namen sowie perfekt aufeinander abgestimmten Aussagen und Antworten auf die Fragen der Zuständigen glaubte man Nathan und seiner Frau, dass sie Deutsche waren und lediglich versucht hatten, illegal die Grenze zu überschreiten.

Herr Mageen zu Besuch im GSG – am 6. 11. 2006

Nathan Mageen wurde daraufhin unter dem Decknamen Adrian Franz Josef Klerkx nach Essen zur Zwangsarbeit geschickt. Seine Frau kam glücklicherweise frei. Selbst dort in Essen versuchte er weiter für den Widerstand zu arbeiten und half wo er konnte, während er bei einer großen Firma als Bauzeichner arbeitete.
Er berichtete von einem Bombardement, das er dort in Essen miterlebte. Viele Deutsche verloren in dieser Nacht ihr Leben; manche auch all ihre Habseligkeiten oder ihre Behausungen. Nachdem er sich aus einem verschütteten Luftschutzbunker gerettet hatte, lief er durch die Straßen.
In seinem Buch schreibt er:
„Schrecklich war das persönliche Leid, das hier gelitten wurde. Ich lief weiter und dachte an die Zahllosen, die in den  Konzentrationslagern, in Auschwitz, Birkenau, Maidanek und Mauthausen umkamen. Ich dachte an meine Eltern – und doch empfand ich keine Genugtuung.“
Später bei einem erneuten Versuch der illegalen Grenzüberquerung wurde er zum zweiten Male gefasst. 6 Monate Haft standen ihm bevor, die er ebenfalls gut überstand. Selbst im Gefängnis verlor er nicht seinen starken Willen und zeigte auch hier Stärke und Durchhaltevermögen. So reichte er zum Beispiel einmal Klage gegen einen der Gefängniswärter ein.
Er kam auf Bewährung frei und wurde zurück nach Essen geschickt, von wo aus er es mit der Unterstützung eines Freundes schaffte, gut in den Niederlanden „auf Urlaub“ anzukommen. Kurz darauf tauchte er in einer Ziegelei in Terwolde bei Deventer unter. Dort in dieser Ziegelei, in einem Unterschlupf, den er „das Loch“ nannte, erlebte er das Ende des Krieges. Heute wohnt er mit seiner Frau in Israel.
Wir als Schüler der 10. Klasse waren sehr beeindruckt von seinen Erzählungen und bewundern seinen Mut nach Deutschland zurück zu kehren und uns von seinem Leben zu berichten und wollen ihm daher dafür danken uns ein Stück Geschichte näher gebracht zu haben.
Sarah Grubert, 10d /Geschichte
Die Veranstaltung wurde in Kooperation der Fächer Geschichte und evangelische Religionslehre
durchgeführt.
gez. Gertrud Deschner-Schmitt, Henrike Tetz, Daniela Tibbe