Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im faschistischen Deutschland 1939-1945

Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im faschistischen Deutschland 1939-1945

Verschiedene Erfahrungen – verschiedene Welten

SchülerInnen treffen Zeitzeugen
Deutsche treffen Polen, Ukrainer, Weißrussen, Russen
Jugend lernt von Alten

 

Die Idee zu diesem Projekt entstand im Jahre 2001 – zufällig. Im Juni 2001 hatten drei ehemalige Zwangsarbeiter aus der Ukraine und Weißrussland die BRD besucht, und durch glückliche Zufälle war es gelungen, sie zu einem der seit langem zur Schultradition gehörenden „Gespräche mit Zeitzeugen“ einzuladen. Am Schluss dieser Veranstaltung waren die SchülerInnen von den Gästen und deren Schicksalen zutiefst beeindruckt. Mit Umarmungen und unter Tränen verabschiedeten sich viele persönlich von den alten Menschen. Spontan startete die SV eine Spendenaktion im Schulgebäude, die innerhalb von fünf Stunden über 1.800 DM einbrachte. Das Geld wurde den Gästen am nächsten Tag im Landtag überreicht.

Dieses Erlebnis und Ereignis waren der Ausgangspunkt für die Mitarbeit des GSG beim Düsseldorfer Besuchsprogramm ehemaliger Zwangsarbeiter. Die erste Gruppe ehemaliger polnischer ZwangsarbeiterInnen begrüßten unsere SchüLerInnen im November 2001.
Seither gehören diese Besuche zur Schultradition. Das GSG ist jedes Jahr dabei, wenn ehemalige Zwangsarbeiter aus Polen, Weißrussland, Russland oder der Ulraine Gäste der Stadt Düsseldorf sind.

Ablauf des Projektes:

Die Gäste werden zu Zeitzeugengesprächen ins GSG eingeladen, an dem alle SchülerInnen der 10. Klassen teilnehmen.

Außerdem begleiten SchülerInnen des GSG die alten Menschen während ihres Aufenthaltes in Düsseldorf so oft wie möglich und bei möglichst allen Veranstaltungen. Diese Begleitungsgruppe, meist eine 10. Klasse, erarbeite im Geschichtsunterricht den historischen Hintergrund. Ein Projekttag in der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte macht zudem die SchülerInnen mit der Situation der Zwangsarbeiter im Dritten Reich speziell in Düsseldorf vertraut.
Für die Begleitung des Besuchsprogramms werden die Schüler in Teilgruppen aufgeteilt, deren Aufgabe es ist einen Gast, quasi als „Patenkind“ zu übernehmen, ihn während des Aufenthaltes zu begleiten, ihn näher kennen zu lernen, Informationen über das Leben der alten Menschen, vor allem ihrer Zwangsarbeit in Düsseldorf zusammeln. Jede Gruppe soll ihre Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen beschreiben, Fotos machen, um die Besuchsorte, Stimmung und Atmosphäre festzuhalten. Dieses Material verwenden die SchülerInnen, um

1. eine Plakatdokumentation herzustellen, die am vorletzten Tag den Gästen gezeigt und gewidmet wird.

Vorgesehen sind biographische Plakate, auf denen jede Schülergruppe ihr „Patenkind“ porträtiert. Diese Plakatdokumentation wird im Beisein der Gäste (2002 im Rathausfoyer. 2003 – 2008 in der Mahn- und Gedenkstätte) eröffnet und der Öffentlichkeit über mehrere Wochen präsentiert. Durch die Ausstellung erkennen die Gäste, dass ihre persönliche Geschichte ernst genommen und die Erinnerung an das nationalistische Unrecht wach gehalten wird.

2. ein Gästebuch mit Bildern und Texten für jeden Besucher auszuarbeiten, um die Erinnerung an den Besuch in Düsseldorf fest zu halten und in der Heimat Verwandten und Freunden zeigen zu können.

Seit 2001 entstand peu a peu eine umfangreiche Erlebnis-Plakatdokumentation, die in Schautafeln die Besuche ehemaliger Zwangsarbeiter in Düsseldorf von 2001 bis 2006 dokumentiert.

Die Ausstellung und insbesondere die Gästebücher zeugen vom Engagement der SchülerInnen bei der Sacharbeit und insbesondere vom herzlichen Verhältnis, das sich zwischen den alten Menschen und den jungen Begleitern entwickelte.
Die Aufmerksamkeit, Interessiertheit und emotionale Anteilnahme der SchülerInnen ist immer wieder beeindruckend.
Es zeigt sich hier wieder einmal, dass Begegnungen mit Zeitzeugen für junge Menschen die Distanz zur scheinbar nicht mehr fassbaren Ferne und Fremdheit der Nazizeit überbrücken und dahin schmelzen lassen. Für die Gäste sind die Gespräche mit den Jugendlichen, die ungefähr in dem Alter sind, in dem sie selber als Zwangsarbeiter Ausbeutung und Unterdrückung ausgesetzt waren, erfahrungsgemäß von großer Bedeutung. Die Begleitung durch die SchülerInnen soll den Besuchern Kraft und Mut geben, sich den traumatischen Erlebnissen von damals erneut zu stellen. Die Jugendlichen gehen mit Empathie auf die Gäste ein und begegnen ihnen nicht nur auf der inhaltlichen sondern auch auf der menschlichen Ebene. Durch diese Begleitung ermöglichen sie den Besuchern einen neuen Umgang mit ihren traumatischen Erinnerungen.
So gesehen ist eine derartige Begegnung für beide Teile befruchtend.

gez.

Gertrud Deschner-Schmitt