Projektwoche 2007: "Man hat irgendwie gelebt" ( Jerzy K. )

Projektwoche 2007: „Man hat irgendwie gelebt“ ( Jerzy K. )

Jerzy K., der Jurek genannt werden möchte, wurde am 16.02.1928 in Warschau/Warszawa geboren.

Als Kind lebte er im Kinderheim. Sein Vater starb sehr früh und seine Mutter – wegen einer Krankheit – während des Krieges. Es war ein schwerer Schicksalsschlag ohne Eltern aufwachsen zu müssen, hinzu wurde er im Sommer 1942 von Soldaten auf einer Warschauer Straße gefangen genommen und verschleppt. Jerzy K. wusste am Anfang nicht, was mit ihm geschehen würde. Vielleicht würde er sterben, vielleicht würde er aber auch nach Deutschland gebracht werden. Seine zweite Vermutung bewahrheitete sich, als er zu einer Sammelstelle voller Menschen gebracht wurde. An dieser wurden die Menschen begutachtet, ob sie zur Arbeit zu gebrauchen sind.

Jerzy K. wurde nach einer Zwischenstation zur Zwangsarbeit nach Düsseldorf geschickt. In dem Zug, in dem er transportiert wurde, konnte er sich nicht hinsetzen, da der Zug zu überfüllt war. Er verbrachte hier eine schlimme Zeit in seinem Leben, die ihn für immer geprägt hat.
In Düsseldorf angekommen, wurde er in den Hafen zum Zollhof 13 gebracht, wo er arbeiten sollte. Seine Arbeit bestand darin Schiffe zu entladen, Transporter und Züge zu beladen und zu entladen und Maschinen zu reparieren.

Gelebt und gewohnt hat Jerzy K. in Baracken, ungefähr 500 m entfernt von seiner Arbeitsstelle. Dort lebten Polen, Ukrainer, Italiener, Russen und Kriegsgefangene, die sich gegenseitig halfen. Die Baracken waren gut bewacht, sodass es keine Fluchtmöglichkeiten gab und man wusste nicht wohin man flüchten sollte.

Wurde die Arbeit schlecht verrichtet, wurden die Arbeiter in ein verschärftes Lager gebracht, wenn man seine Aufgabe dagegen gut machte, bekam man eine Belohnung in Form von Lebensmitteln.

Die Arbeiterzahl änderte sich ständig und Jerzy K. wusste nie, was am nächsten Tag mit ihm passieren würde. Hinzu kam, dass die Arbeit körperlich gefährlich war.

Er verletzte sich in Düsseldorf drei Mal und einmal so schwer, dass er im Grafenberger Krankenhaus aufwachte. Er wusste nicht was geschehen war und wie lange er dort lag.
Nicht nur die Arbeit war hart, sondern er spürte auch den Krieg. Bei Bombenangriffe durften nur die Düsseldorfer in den Bunkern Schutz suchen und die Zwangsarbeiter mussten in den Baracken bleiben.

Einmal wurde auch der Eingang eines siebenstöckigen Bunkers durch die Bombenangriffe verschüttet und Jerzy K. musste mit gebrochenem Arm und den anderen Zwangsarbeitern den Eingang wieder frei machen.

Befreit wurde er 1945, als die Amerikaner in Deutschland ankamen. Er durfte entscheiden, ob er nach Polen zurückkehren, in Düsseldorf bleiben oder nach Amerika ziehen möchte.
Jerzy K. entschied sich nach Polen zurückzukehren und machte sich im Sommer 1945 mit anderen Menschen auf den Weg nach Warschau.

Als er in Warschau ankam, erkannte er nichts wieder, denn die Stadt lag in Trümmern. Da die meisten Häuser zerstört waren, wussten viele nicht wie sie Verwandte oder Freunde finden sollten, darum ließen die meisten an der Stelle, wo früher ihr Haus war, einen Zettel mit der Adresse, wo man sie finden kann, da. Da er keinen Schulabschluss hatte, half er zuerst bei dem Wiederaufbau mit und war dann in vielen andern Berufen tätig wie z.B. Elektriker und Maurer. Später besuchte er noch Abendschulen und arbeitete danach in einer Gelddruckerei.
Seine Ehefrau Zofia, mit der er dieses Jahr nach Düsseldorf gekommen ist, lernte er nach dem Krieg kennen. Jerzy K. hat sich sehr über die Einladung gefreut. Er hat schon vor mehreren Jahren geplant mit seiner Ehefrau nach Düsseldorf zu kommen, weil er sehen wollte was aus der Stadt geworden ist, in der er diese grausame Zeit verbracht hat.
Als Jerzy K. am Hafen war, erkannte er nichts mehr wieder, denn es hat sich viel verändert.

In unseren Gesprächen haben wir bemerkt, dass Herr K. sehr froh ist hier zu sein und es ihm Freude machte, uns seine Geschichte erzählen zu können. Wir haben mit großem Interesse zugehört.
Wir sagen DANKE!