2006: Begegnung mit Frau Maria D.

2006: Begegnung mit Frau Maria D.

Als erstes möchte ich sagen, dass mir das Projekt eine wunderschöne und unvergessliche Zeit gebracht hat. Das, was man dort erlebt hat, kann kein Geschichtsunterricht der Welt vermitteln. Mit Menschen zu reden, die diese Zeit selbst miterlebt haben, ihre Geschichte zu hören, ein ganz persönliches Schicksal, Fragen stellen zu können und den Leuten dabei in die Augen schauen zu können, ist ein Privileg und so sollte man es auch behandeln.

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Das Gefühl, dass ein fremder Mensch einem so viel Vertrauen entgegenbringt, obwohl er allen Grund hätte, zu hassen, ist ein so berauschendes Gefühl, lässt uns aber gleichzeitig mit einem schlechten Gewissen zurück. Denn diese alten Menschen schaffen es über all die Grausamkeiten, welche ihnen angetan wurden, hinweg zu sehen und uns so liebevoll und herzlich zu begegnen, wir aber uns oft im Streit mit anderen trennen wegen Sachen, die jetzt so unwichtig erscheinen. Das Treffen und die Gespräche haben mir ein realistisches Bild von früher geschaffen, das nicht ein vages Abbild aus zerrissenen Seiten und schwarzer Tinte ist. Und doch erscheint es mir so unwirklich, wenn manan die Liebe denkt, die wir von all den ehemaligen Versklavten erfahren haben. Dieses Treffen verändert das persönliche Weltbild. Man sieht, dass nicht alles SCHWARZ-WEIß ist. Wenn ich an das Lächeln all dieser Menschen denke, würde ich fast sagen, dass sie durch ihre Erlebnisse ihre persönliche Weisheit erlangt haben. Und doch sind sie arme Menschen, die ihre Jugend im Krieg in der Ferne verloren.

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Schön fand ich eigentlich die gesamte Woche und kann keinen besonderen Augenblick hervorheben. Obwohl ich jedes Mal weinen und lachen konnte, wenn ich ihr Lachen sah und ich sie in den Arm nahm.

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(von einer Schülerin des GSG)