Zeitzeugengespräch – Andreas Herzog

Zeitzeugengespräch – Andreas Herzog

Am  04.12.2015 hatten wir Andreas Herzog in unserer Schule zu Besuch. Er wurde am 23.01.1958 in Löbau, in die DDR hineingeboren und berichtete uns von seinem Leben in der DDR.

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Er stammt aus Arbeiterverhältnissen und wuchs in einem protestantischen Haushalt auf. Die eigene Meinung durfte – wenn überhaupt – nur im eigenen Hause mitgeteilt werden. Nach einer abgeschlossenen Schulausbildung begann er als Forst-Facharbeiter zu arbeiten, wechselte jedoch im Hinblick auf eine „bessere“ Zukunft zum Wehrdienst.

Herr Herzog erzählte uns er habe eine überwiegend glückliche Kindheit, vorzugsweise in der Natur, verbracht  und trat dann ohne Bedenken einer Massenorganisation bei. Des Weiteren wurde deutlich, dass sich Andreas Herzogs Bild der DDR nicht als ganz so perfekt herausstellte, wie ursprünglich gedacht. Das wurde ihm vor allem durch eigene Erfahrungen deutlich.

Das Angebot des Wachregiments bestand darin, einen Studienplatz zu erlangen, wenn er drei Jahre beim Wehrdienst absolvieren würde. Zu seinem Aufgabenfeld zählte dort die SED zu schützen, weshalb er dem Wachregiment der Stasi diente.

Ein besonderes Ereignis, welches seine Sichtweise veränderte war der Tag an dem er und seine Einheit verschiedene Uniformen tragen und mehrmals vor dem Staatssekretär auftreten mussten. Dadurch sollte der Eindruck vor allem vor den Medien entstehen, dass viele verschiedene Leute hinter dem Staat stehen, was ihm verlogen vor kam.

Dies war auch ein ausschlaggebender Grund, warum Andreas Herzog kein ständiger  Mitarbeiter der SED werden wollte. Das versprochene Studium konnte er nur absolvieren, wenn er der SED dauerhaft beitritt. Die daraus entstandene Perspektivlosigkeit in der DDR führte dazu, dass er in die BRD fliehen wollte.

Seine Flucht in die BRD wollte er in einem Urlaub gemeinsam mit einem Freund planen, wurde jedoch beim Versuch festgenommen und musste ins Gefängnis Hohenschönhausen. Danach wurde er in ein Hochsicherheitsgefängnis (Bautzen 2) verlegt, welches der Öffentlichkeit nicht bekannt war. Einige Jahre später wurde er als Bürger 2. Klasse entlassen (BM12) und unterlag auch nach seiner Entlassung noch unglaublich strengen Bewährungsauflagen. Selbst in der BRD wurde er noch verfolgt und beobachtet.

Besonders überrascht hat uns, dass Andreas Herzog zu Beginn sehr linientreu war und sich sogar gegen seine Eltern auflehnte und später erst bemerkte, dass das gesamte System der DDR nur Schein war. Es war auch sehr bemerkenswert, dass ein normaler Bürger ohne besonderen Status, mit so großem Aufwand beobachtet und verfolgt wurde. Ein besonderes Erlebnis für uns Schüler war es die Einsicht in Herr Herzogs Stasi-Akte zu erhalten, da uns diese Akte von der totalen Macht der DDR damals überzeugen konnte.

Wir sind ihm sehr dankbar, dass er mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit geht und bereit war uns von seinen bewegenden Erlebnissen zu berichten.

SchülerInnen des ZK-GE Deschner-Schmitt

(Teilgenommen an dem Zeitzeugengespräch haben SchülerInnen der Q2: ZK Ge und ZK Soz))