3. Schüleraustausch 2008

3. Schüleraustausch 2008

Geschwister-Scholl-Gymnasium Düsseldorf – Baxian Middle School Chongqing

Reiseberichte und Tagebücher von Svenja Goliasch, Barbora Dabisch, Christin Bier, Laura Dünnwald

Deutsch‐chinesischer Schüleraustausch am Geschwister‐Scholl‐Gymnasium Düsseldorf: Freundschaften, die hoffentlich noch lange halten werden! von Svenja Goliasch, Jgst. 11

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Am 28. April trafen sich fünf Schülerinnen (Clara, Christin, Laura, Svenja und noch mal Svenja), ein Schüler (Roman) und zwei Lehrer (Hr. Kaysers und Hr. Carleton) des Geschwister‐Scholl Gymnasiums mitsamt ihrer Familien am Düsseldorfer Flughafen und warteten gespannt darauf, dass sich die Türen der Ankunftshalle öffneten. Alle waren neugierig, wie sie wohl sein würden, ihre Austauschpartner aus China. Austauschpartner aus China, das heißt genauer: Sechs Schüler (Usher, Anne, Catherine, Sophia, Leon und Roger), zwei Lehrer (Elaine und Mr. Lee) und der Schulleiter der Baxian Middle School in Chongqing (Mr. Tan), der größten Stadt Chinas. Sie hat 32 Millionen Einwohner und erstreckt sich über eine Fläche, die der Größe Österreichs entspricht! Die Schule wird von mehr als 4000 Schülern besucht und in einer Klasse sitzen ca. 60 Schüler. Diese Zahlen erscheinen im Vergleich zu unserem hiesigen Schulsystem geradezu unwirklich. Als es dann endlich so weit war, war die Freude groß. Am ersten Abend hatten alle Zeit sich kennen zu lernen. Es wurden zahlreiche Gastgeschenke verteilt, die von bunten Masken über Fächer bis zu Tee reichten. An diesem Abend lernte ich, dass mein Austauschpartner keine Müdigkeit kennt – zu Hause ist er täglich bis weit nach Mitternacht wach und muss Hausaufgaben machen. Am nächsten Morgen empfing Herr Schrader alle herzlich in seinem Büro und durch eine Vorstellungsrunde lernten sich die Teilnehmer untereinander kennen. Sogleich wurden auch Erfahrungen vom Vorabend ausgetauscht. Die unglaublichen Dimensionen der Schule und des Heimatortes unserer exchange students beeindruckten uns alle. An den ersten beiden Tagen besichtigten die Chinesen Düsseldorf, einmal per Bus und einmal zu Fuß. Die alten Gebäude beeindruckten sie und mein Austauschpartner war der Meinung, 20 Jahre alte Gebäude in Chongqing sähen aus, wie 100 Jahre alte Gebäude in Düsseldorf. Vor ihrer Abreise haben alle chinesischen Austauschpartner sich einen „neuen Namen“ ausgesucht. Um es uns leichter zu machen, ihn zu rufen, wurde zum Beispiel mein Austauschpartner, der eigentlich Qi Pengyu heißt, kurzerhand zu Usher. Am 1. Mai war schulfrei und so fuhren vier „deutsch ‐ chinesische Familien“ gemeinsam nach Köln. Nach dem Erklimmen der 509 Stufen des Kölner Doms, einem kleinen Stadtrundgang, der Besichtigung des Schokoladenmuseums und anderem ging es wieder nach Hause. Der darauf folgende Tag war wieder ein Schultag, an dem die chinesischen Schüler unter anderem die Klasse 6c besuchten, wo sie den „Schollern“ ihr Land und ihre Schule näher brachten, indem sie ein China ‐ Quiz mit Gewinnen durchführten. Der nächste Morgen begann früh, denn die chinesischen Gäste machten einen Tagesausflug nach Amsterdam. So hatten die Gastgeber zwar einen „freien Tag“, aber bei der Rückkehr freuten sich alle sehr, ihre Partner wieder zu sehen. Sonntag war wieder ein Familientag und stand somit zur freien Verfügung. Einige fuhren ins Phantasialand, wir zum Marathon und anschließend Tretboot fahren auf dem Unterbacher See. Die Natur beeindruckte ihn – wie viele der Chinesen  ‐  sehr und als Usher Schwäne sah, sagte er: „Die kenne ich nur aus Märchen!“ Kleine Dinge, die für uns alltäglich sind, wie zum Beispiel die Tatsache, dass man hier Leitungswasser trinken kann, begeisterten die Gäste. Es war sehr spannend, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Kulturen herauszufinden und zu diskutieren, was für oder gegen bestimmte Strukturen spricht. Es wurde sehr schnell deutlich, wie verschieden beide Länder sind und wie einfach es trotzdem ist, Freundschaft zu schließen. Auch die deutsche Küche hielt für sie einige Überraschungen bereit. So staunte mein Austauschpartner sehr, als er sah, dass wir den Spargel ungeschnitten auf die Teller verteilen und nicht, wie bei ihnen üblich, in „stäbchengerechten“ Häppchen. Insgesamt haben sich aber fast alle mit den europäischen Gerichten problemlos arrangiert. Das „Programmhighlight“ des Austausches folgte am Montag: die Wasseruntersuchung der Düssel. Zuerst fanden sich alle im Physikraum ein, wo zuerst in Gruppenarbeit die Vorgehensweise mit den Materialien und Chemikalien ausprobiert wurde. Anschließend gingen wir alle gemeinsam in den Volksgarten, wo Vertreter von Fernsehen und Zeitung uns Fragen stellten, während wir die Wassergüte ermittelten. Ergebnis: I ‐ II von IV, sehr sauber also. Das Projekt hat allen Teilnehmern Spaß gemacht und drei von uns haben den Wetterbericht ansagen dürfen. Anschließend fuhren wir in die Stadt und unsere chinesischen Freunde hatten die Gelegenheit, sich im Supermarkt mit Schokolade einzudecken – welche sie auch nutzten! Einige mussten bei der Abreise zusätzliche und nur mit Schokolade befüllte Gepäckstücke aufgeben! Abends fand in einem laotischen Restaurant das farewell dinner statt, bei dem alle Teilnehmer und Familien die Woche haben Revue passieren lassen und sich noch einmal gut amüsierten. Zum Abschluss brachten uns die Chinesen ihren Schultanz bei, den sie zuhause 3 Mal am Tag tanzen. Ein gelungener Abschluss eines einzigartigen Austauschs! Dann war auch schon Dienstag und damit der Abreisetag. Als letzter Programmpunkt stand ein Besuch im AquaZoo auf dem Plan. Danach wurden bei einem Spaziergang durch den Nordpark eifrig Fotos geknipst – wie die ganze Woche lang! Ein Döner war ein für sie exotisches kulinarisches Erlebnis. Als die Eltern am AquaZoo eintrafen, um gemeinsam zum Flughafen zu fahren, machte sich schon Abschiedsstimmung breit, die aber am Flughafen nochmal kurz unterbrochen wurde: Der Flug war annulliert worden und so mussten sie mit dem Taxi nach Frankfurt gefahren werden. Beim Abschied waren alle trauriger, als sie es am Anfang der Woche erwartet hätten. Das Land China ist nun für alle Teilnehmer mit Namen, Gesichtern und Erinnerungen verbunden. Innerhalb von 8 Tagen sind Freundschaften zwischen zwei vollkommen verschiedenen Kulturen entstanden, die hoffentlich noch lange halten werden. Usher und ich jedenfalls haben bis jetzt guten Kontakt und im Herbst werden einige von uns nach Chongqing reisen und Erinnerungen an die schönen Erlebnisse in Düsseldorf aufleben lassen.

Wenn ich noch einmal die Gelegenheit bekomme, bin ich wieder dort!

Reise von 4 Geschwister ‐ Scholl ‐ Schüler/innen aus Düsseldorf nach Shanghai, Chongqing und Beijing in China (19.9. – 3.10.2008) von Barbora Dabisch, Jgst. 13

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Das Reich der Teetrinker: Nie ich hätte gedacht, dass ich jemals einen Fuß auf chinesischen Boden setze. Nun, in Shanghai angekommen, knallt uns zunächst eine dichte, dicke, undurchdringbare Wand von sauerstoffarmer, versmogter und feuchter Luft gegen den Schädel. Eine Hitze von gefühlten 50 Grad, vergleichbar mit einem Saunabesuch. Und das im Herbst. Shanghai ist wohl die imponierendste Stadt, die ich je sah. Sie ist nicht die bedeutendste und interessanteste, sondern für europäische Verhältnisse eine unglaublich große und dicht besiedelte Stadt. Shanghai ist die Metropole, die den Marktaufschwung und den Bauboom ganz nach dem Sinne der Regierenden voll und gerecht repräsentiert. Hier sieht man die Materialien, die Europa zuvor abgekauft wurden, wieder. Es ist deswegen umso aufregender zu einer Zeit in Shanghai zu sein, wo die Stadt noch nicht ausschließlich aus Wolkenkratzern besteht. Denn der Weg durch das alte Stadtviertel, wo die Menschen in ihren alten Hütten ohne moderne Küche und Bad wohnen, und ihre Wäsche draußen auf der Straße zwischen den Hütten aufgespannt haben, bringt uns Europäer wirklich an die Grenzen des Vorstellbaren und sollte deswegen erlebt werden. Auf dem Weg zum Bund, dem örtlichen Boulevard, sehen wir Bauern, die ihre Früchte auf der Straße verkaufen und am Straßenrand versuchen, sie nach chinesischen Standards zu säubern. Die Früchte kullern uns sogar vor die Füsse und man sieht zwischendurch auch mal große Müllhalden. Wir werden begleitet von Gerüchen jeder Art. Alle zwei Meter ein neuer undefinierbarer Geruch, den man wohl noch nie zuvor in seinem ganzen Leben gerochen hat und wohl auch kein zweites Mal erleben wird. Auf den Tummelplätzen der Touristen, wie dem Bund in Shanghai oder in Chongqing oder Beijing, egal wo in China, es wird immer versucht, die billig hergestellten Chinasouvenirs an die Touris zu verkaufen. Ganz nach der Marktstrategie „original made in China“ wird jeglicher Schrott versucht in Geld zu verwandeln. Ein Schwein, das man auf den Boden platt platschen kann und das sich dann wieder in seine Ursprungsform zurückbildet, wird als lebensnotwendig vermittelt. Am meisten tun mir persönlich die Bettler leid. Doch warum müssen junge Mütter mit ihren kleinen Kindern nachts auf der Straße liegen. Die kleinen Kinder haben es nicht verdient mit offener Hose  ‐  Öffnung der Hose am Unterleib ist für Kleinkinder in China üblich, erspart Windeln  ‐  auf der Straße zu schlafen. Sie werden von ihren Müttern buchstäblich ausgenutzt, um Touristen mit weichem Herzen das Portmonee zu erleichtern. Kaum versieht man sich und man wird in eine perfekt inzinierte Verkaufsstrategie gebunden, die auf junge, unerfahrene und naive Chinatouristen konzipiert wurde: Eine „echt chinesische traditionelle Teezeremonie“, die wirklich nur „alle drei Jahre“ stattfindet, miterleben zu dürfen, löst in Chinatouristen wahre Glücksgefühle aus. Öfters kommt der Sinn des Jing Jang zum Vorschein: Nicht nur in der Architektur Chinas  ‐  Steine stehen für das Männliche, Wasser für das Weibliche  ‐ , sondern auch unter den Menschen herrscht eine so ausgeglichene Art miteinander umzugehen. Keiner ist im Stress. Alle trinken Tee und genießen ihr Leben in vollen Zügen. Man spürt, dass sie zufrieden sind mit dem, was sie haben. Bewundernswert ist außerdem der Fahrstil der Chinesen. Wenn die Straße es von der Breite hergibt, überholt man das vorausfahrende Auto bzw. die Blechkarre einfach, egal wenn man dabei in den entgegenkommenden Verkehr fährt. So wie auch sonst Chinesen ununterbrochen sich mit ihrem Handy beschäftigen, beschäftigen sie sich damit auch während der Autofahrt. Die Sicherheitsgurte scheinen auch nur eine Erfindung für Touristen zu sein oder für die Weicheier im Land. Mitten auf der Straße wird gewendet, denn doppelt durchgezogene Linien haben ja gar keine Bedeutung. Dem Zebrastreifen wie in Deutschland Vertrauen zu schenken ist lebensgefährlich. Meistens herrscht das Gesetz des Stärkeren auf Chinas Strassen. Ansonsten ist die Hupe der beste Freund des Fahrers und wird auch voll und ganz zu jeder Möglichkeit kräftig betätigt. Das Sprichwort, „Chinesen essen alles, was vier Beine hat, nur den Holztisch nicht“, stimmt so nicht. Die Kantonesen sind da eine extreme Randgruppe Chinas, die so gut wie alles essen. Wie gut, dass wir denen nicht begegnet sind. Für einen, der das Essen liebt und offen ist für sich neue Speisen zu probieren, ist die chinesische Esskultur genau das Richtige. Also für mich genau das Richtige. Von Leckereien zum Tee, von Fleischbonbons, exotischen Früchten, Lotusblütenwurzeln, Achillesversen, Stimmbändern, verschiedenen Innereien, behaarten Bohnen, Tauben bis hin zur Pekingente waren dies auch schon die wirklichen Besonderheiten, die uns auf den Tisch gestellt wurden. Allein anhand dieser großen Vielfalt findet man schnell seine neue Leibspeise, also etwas, was man genießen kann. Wer die traditionellen Speisen nicht mag, findet mit Sicherheit auch etwas zu essen. Mein Favorit ist die Peking Ente. Peking Ente essen zu dürfen ist eine Besonderheit. Vor allem, wenn man dabei in Beijing ist. Sie ist nicht vergleichbar mit der „Pekingente süß sauer“ in Deutschland. Im Vergleich zu Shanghai ist Beijing ruhiger. Die Hauptstadt der Volksrepublik scheint geordneter zu sein und über lange Jahrhunderte hinweg gewachsen. Sie ist kulturell und historisch wertvoller als Shanghai. Sie ist aber keinesfalls eine langweilige Stadt. Es ist immer etwas los, da die Stadt nie zu schlafen scheint. Teilweise vermittelt sie auch einen sauberen Eindruck, der wohl noch von der Olympiade hinterlassen wurde und von zusätzlichen Putzkräften stammt, um den Nationalfeiertag in der Hauptstadt besonders rein zu präsentieren und die Müllberge der aus ganz China Anreisenden nicht unkontrolliert wachsen zu lassen. Als Europäer wird man immer und überall von erstaunten Gesichtern angeschaut. „Oh, you’re so beautiful. I would like to take a picture with you!“ Und schon steht man für kleine, überaus freundliche Chinesen still, um ein gemeinsames Erinnerungsfoto bzw. Beweisfoto für Bekannte zu schießen. Man gewinnt das Gefühl der Außergewöhnlichkeit unter all diesen Chinesen, die wirklich alle dieselben Merkmale tragen. Genau im nächsten Augenblick ist man wirklich herzlich gerührt, weil eine junge Mutter um ein Foto bittet, auf dem man neben ihrem Kleinkind stehen oder ihr Baby tragen soll. Mit dieser Offenheit und Freundlichkeit hatte ich vor der Reise nicht gerechnet, doch sie begegnet uns wirklich auf der ganzen Reise: In der Gastfamilie, wie auch in unserer Partnerschule, der Baxian Middle School in Chongqing, überschlug man sich vor Eifer, uns einen schönen und gelungenen Aufenthalt zu ermöglichen. Mit Sorgfalt, Stolz und Konzentration wird erklärt, was zu erklären war. Der Unterricht, der uns interessante Einblicke liefern sollte, war sehr beeindruckend. So wie eigentlich alles auf dieser Schule. Dimensionen sind dort vorhanden, die wir nicht kennen. Computerräume mit je 70 Computern, ein eigenes Schulmuseum, eine Sportanlage vergleichbar mit einer Arena, ein Hochhaushaus für Lehrer, ein Internat für die Schüler und eine eigene Schulkantine. Nach zwei Wochen, die wie im Flug vergingen, war ich sehr traurig, dieses großartige Land verlassen zu müssen… Wenn ich nur noch einmal die Gelegenheit bekomme, bin ich wieder dort! Bei diesen Zeilen handelt es sich nur um eine extrem kurze Reisebeschreibung – in Wirklichkeit kann ich über diese zwei Wochen ein Buch schreiben.

Meine eindrucksvollsten Erlebnisse aus Shanghai, Chongqing und Peking von Christin Bier

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Nach wochenlanger Vorfreude und etlichen Vorbereitungen rückte der Abreisetag immer näher. Am 21. September war es dann endlich so weit. Am Düsseldorfer Hauptbahnhof haben Laura und ich uns von Familie und Freunden verabschiedet und sind mit dem ICE zum Frankfurter Flughafen gefahren. Wir waren viel zu früh da und mussten mehrere Stunden auf den Abflug warten, was mir besonders lange vorkam, da es mein erster Flug überhaupt war. Irgendwann war es so weit. Wir saßen im Flugzeug und starteten. Der Flug war für mich schon einmal der erste Höhepunkt der Reise. In Shanghai angekommen, war meine Müdigkeit (vom 11 ‐ stündigen Flug mit sehr wenig Schlaf) sofort verflogen. Das Wetter war erdrückend. Die Luftfeuchtigkeit lag bei 90%, wie in einer Tropenhalle. Außerdem war es dazu noch sehr warm. Wir waren klitschnass geschwitzt. Zum Glück wurden wir von einer deutschsprachigen Chinesin der Reiseagentur abgeholt und  ‐  in einem klimatisiertem Bus  ‐  zum Hotel gefahren. Der Verkehr dort war schrecklich, aber auch sehr beeindruckend. Es wird zwar nicht so schnell gefahren wie in Deutschland, dafür aber um so rücksichtsloser, nach dem Motto: „Wer bremst  ‐  verliert!“ Auf den Straßen haben Autos Vorrang und die Fußgänger, insbesondere Touristen, sollten besser warten, auch wenn sie Grün haben oder an einem Zebrastreifen stehen. Die Einheimischen stören sich aber nicht daran, sondern gehen einfach zwischen den fahrenden, hupenden Autos über die Straße. Die Mentalität der Menschen in China ist ganz anders. Ich habe während unseres Aufenthalts dort, nie jemanden aufgebracht oder verärgert gesehen. Die Leute sind sehr ausgeglichen und bleiben gelassen, selbst wenn z.B. ein Anderer ihnen beim Autofahren die Vorfahrt nimmt oder hupt. In Deutschland wäre das undenkbar. Im Hotel haben wir dann unsere beiden Lehrer und zwei weitere Schüler getroffen, die schon zwei Tage eher angereist waren. Nach einer kurzen Pause ging es auch schon weiter auf eine kleine Sightseeingtour. Am Ufer des Huangpuflusses wurden wir alle paar Meter angesprochen, ob wir nichts kaufen wollten. Auf dem Rückweg  ‐  es war bereits spät und somit auch dunkel  ‐  sahen wir die Schattenseiten des chinesischen Lebens: Viele alte Leute und Mütter schliefen mit ihren Kindern auf dem Bürgersteig. Manche hatten sich auch eine Art Minizelt aus Decken gebaut, um wenigstens ein Dach über dem Kopf zu haben. Am nächsten Morgen fuhren wir zurück zum Flughafen, um das nächste Ziel unserer Reise anzupeilen: Düsseldorfs Partnerstadt und (wenn ausschließlich die administrativen Stadtgrenzen herangezogen werden) größte Stadt der Welt  ‐  Chongqing. Dort besuchten wir eine Woche lang unsere Partnerschule, die Chongqing Baxian Middle School. Wir wurden herzlichst empfangen und lebten dort in den Familien der Schüler, die im April diesen Jahres auch schon in Düsseldorf waren. Die Schultage sind dort wesentlich länger als bei uns. Um 8:00 Uhr beginnt der Schultag und um 22:20 Uhr endet er. Dazwischen gibt es eine etwa 2 ‐ stündige Mittagspause und für ́s Abendessen auch nochmal eine, sonst wird nur gelernt. Die meisten Schüler schlafen sogar im Internat der Schule. Nur diejenigen, die einen kurzen Schulweg haben, wohnen bei den Eltern. Normalerweise fängt das Wochenende samstags nachmittags an. Für die Schüler  ‐  wie unsere ca. 16 Jahre alten Austauschschüler, die in der Abschlussklasse sind, beginnt es sogar erst sonntags mittags. Freizeit haben sie also so gut wie gar nicht. Ferien gibt es nämlich auch nur im Sommer zwei Monate und eine Woche im Herbst. Morgens haben wir bei den Gastfamilien gefrühstückt. Ich bekam immer warmes Essen z.B. Suppe, Nudeln, gefüllte Teigtaschen oder  ‐  meine Favoriten  ‐  Spiegeleier. Überhaupt war das Essen für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Es gab sehr viel Fleisch und dieses fast nur mit Knochen gekocht, viele verschiedene Arten Gemüse oft in komischen Soßen, Brot so gut wir gar nicht, aber zum Glück immer Reis. Außerdem war das Essen immer sehr vielfältig. So konnte man sich immer das aussuchen, was man mochte. Ich fand besonders die vielen Obstsorten toll, die ich in Deutschland noch nie gegessen hatte, wie zum Beispiel chinesische Datteln, Kakis und Drachenfrüchte. An Gemüse haben wir zum ersten Mal Lotuswurzeln, Süßkartoffeln und die Blätter davon gegessen. Was ich allerdings nicht so toll fand, war, dass vor allem Fisch immer komplett mit dem Kopf auf den Tisch kommt. Mit meiner Austauschschülerin habe ich mich total gut verstanden und wir möchten uns auf jeden Fall irgendwann nochmal treffen. Auch mit den Eltern bin gut klar gekommen. Besonders die Verständigung war lustig, da beide kein Englisch konnten. Aber mit Händen und Füßen haben wir es ganz gut hin bekommen. Während unsere Austauschschüler Unterricht hatten, haben wir uns unter anderem die Stadt angesehen, waren bei verschiedenen Wahrzeichen der Stadt und haben im Unterricht anderer Klassen etwas über Düsseldorf und Deutschland allgemein erzählt. Einen Nachmittag haben wir mit einigen chinesischen Schülern die Wasserqualität des Jangtse untersucht. Da in China, besonders in Chongqing, kaum Europäer leben, waren wir die Hauptattraktion. Überall guckten die Leute uns an, machten heimlich Fotos oder kamen sogar an und fragten nach, ob sie ein Foto mit uns zusammen machen durften. Für uns war das total ungewohnt. Wenn bei uns ein Chinese vorbei geht, interessiert uns das ja eher weniger, weil hier so viele leben. An einem Abend wurden wir von der Regierung zu einem Empfang eingeladen, mit Kleiderordung, Rotem Teppich und so. Wir haben uns so ein bisschen wie irgendwelche VIPs gefühlt. Nach der Woche in Chongqing ging es für weitere drei Tage nach Peking, eigentlich viel zu kurz. Ungünstiger Weise waren wir um den 1. Oktober, dem Nationalfeiertag der Chinesen, da. Zu diesem Ereignis haben die meisten Leute ein paar Tage Urlaub. Also war alles überfüllt. So viele Menschen auf einem Haufen habe ich selten gesehen. Wir waren trotzdem an den typischen Sehenswürdigkeiten: Große Mauer, Ming ‐ Gräber, Himmelstempel, Sommer ‐  und Kaiserpalast und die Verbotene Stadt. Dann war die Reise auch schon vorbei. Die Zeit ist so verflogen, aber wir haben richtig viel erlebt. Wir hatten die Möglichkeit eine ganz andere Kultur kennen zu lernen. Es war total interessant und in keinster Weise mit westlichen Ländern zu vergleichen. Ich glaube, diese Reise kann man einfach an Eindrücken nicht mehr überbieten.

Meine Chinareise – ein aufregendes Abenteuer von Laura Dünnwald

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Im vergangenen April wurde ich angesprochen, ob ich im Rahmen eines Schüleraustausches mit unserer Partnerschule Baxian Middle School in Chongqing, China, ein chinesisches Mädchen für einige Tage aufnehmen würde. Ich war sofort von dieser Idee begeistert und freute mich schon, eine völlig andere Kultur kennenzulernen. Im Mai war es dann soweit: drei Lehrer und sechs Schüler/innen aus China besuchten unsere Schule, das Geschwister ‐ Scholl ‐ Gymnasium und die Stadt Düsseldorf. Im Laufe des Aufenthaltes der Chinesen hier in Düsseldorf kam immer wieder ins Gespräch, dass wir deutschen Schüler auch die Möglichkeiten hätten, nach China zu reisen. Anfangs stand ich der Sache etwas skeptisch gegenüber, jedoch fand ich nach und nach immer mehr Gefallen daran. Es reizte mich das Land kennen zu lernen, aber vor allem die Menschen dort. So entschied sich unsere kleine Gruppe für eine kleine Chinarundreise: Shanghai, Chongqing, Peking. Als das Datum des Fluges nach China feststand, konnte ich es kaum noch erwarten. Da ich mich mit meiner Austauschpartnerin Sophia auch sehr gut verstanden habe, freute ich mich besonders sie wieder zu sehen. Schon der Flug war ein kleines Abenteuer für mich, da ich mich aufgrund meines Alters an meinen letzten Flug nicht erinnern konnte. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die drei chinesischen Städte, die zu den wichtigsten in China zählen, und die Menschen, die diese bewohnen, doch sind. Shanghai war trotz der schwülen Hitze architektonisch beeindruckend; an der Promenade war leider auch viel Armut zu sehen. Die Menschen dort waren neugierig, Blicke verfolgten uns auf Schritt und Tritt. Manche kamen auch auf uns zu, um sich mit uns zu unterhalten. Dies jedoch war im ca. 38°C heißen Chongqing noch viel intensiver. Auf der einen Seite waren da die scheuen, aber neugierigen Blicke. Gerade in der Schule. Aber es war schön, wenn die Schüler/innen den Mut aufbrachten, uns Fragen zu stellen. Immer wieder tauchte die Frage auf, wie ich China finden würde. Und ich konnte immer antworten, dass ich China echt klasse finde und ich mich sehr wohl fühle. Die Klassengespräche haben mir besonders viel Spaß gemacht. Die Schüler/innen wollten sehr viel über Deutschland wissen, wie das Schulsystem funktioniert, was die Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit unternehmen. Und einzelne Worte oder kurze Sätze sollte ich ihnen beibringen. Das für mich schönste Erlebnis war der Besuch in der Grundschule in Chongqing. Die Kleinen waren total süß und aufgeschlossen. Ich verzierte mit einem kleinen Jungen seine selbst gebastelte Papiertüte und unterhielt mich währenddessen mit ihm. Das hat echt Spaß gemacht. Und auf einmal kamen alle möglichen kleinen Kinder zu mir und schenkten mir ihre kleinen Papiertüten. Das war ein echt schönes Gefühl, ich war sehr gerührt.  ‐  Später zeigten mir dann mehrere Jungs, was Kalligraphie ist: Die Technik, mit einem Pinsel chinesische Schriftzeichen schön zu gestalten. Das war sehr spannend. Außerdem hatte ich dort während der „Morning exercises“ super viel Spaß. Etwa 2000 Schüler/innen versammelten sich auf dem Sportplatz und machten Übungen zur Lockerung und Entspannung. Wir deutschen Schüler/innen machten dann natürlich mit und es war wirklich sehr lustig. Ein weiteres spannendes Erlebnis war das Familienleben, das ich hautnah miterleben konnte, da ich bei meiner Austauschpartnerin Sophia Gast war. Leider war die Kommunikation mit ihren Eltern sehr eingeschränkt, da diese kein Englisch sprechen. Mit kleinen Kindern wird sehr liebevoll umgegangen, jedoch ist mir aufgefallen, dass, je älter die Kinder werden, die körperliche Nähe zwischen Eltern und Kindern immer mehr abnimmt. Trotzdem werden die chinesischen Jugendlichen stark von ihren Eltern in der Schule unterstützt. Familiengespräche sind nur früh morgens oder spät abends möglich, da der Schul ‐  und Arbeitsalltag sehr lang ist. In der Familie wurde ich sehr herzlich aufgenommen und ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.  ‐ In Peking waren die Menschen viel distanzierter. Neugierige Blicke verfolgten uns zwar immer noch, aber nicht mehr so extrem wie in Chongqing. Das Leben dort ist mit dem westlichen Großstadtleben zu vergleichen. Es herrscht mehr Anonymität und Distanz. Jedoch gerade an der Großen Mauer freuten die Menschen sich, Europäer zu sehen und wollten Fotos mit uns machen. China war wirklich ein spannendes und aufregendes Abenteuer. Ich war erschlagen von der Größe der Gebäudekomplexe und bin fasziniert von dem Leben in China. Der Kontakt zu den Menschen war für mich besonders aufregend. Diese Reise hat meine Reiselust geweckt, neue Länder zu erkunden und mit Menschen aus aller Welt zu kommunizieren und in Kontakt zu treten. Auf jeden Fall werde ich noch mal nach China reisen, da mich dieses Land wirklich fasziniert hat.

Vergleich der Wasserqualität von Düssel und Changjiang

Im Rahmen des Schüleraustausches unseres Geschwister ‐ Scholl ‐ Gymnasiums Düsseldorf mit der Baxian Middle School in Chongqing haben wir Wasseruntersuchungen der Düssel und des Changjiang einem Nebenfluss des Yangtse bei Chongqing, durchgeführt. Dabei benutzten wir teils elektronische Apparaturen (z.B. zur Messung von Leitfähigkeit und Fließgeschwindigkeit) und chemische Versuche zum Nachweis schädlicher Chemikalien bzw. lebensnotwendiger Mineralien. Das Ziel der Untersuchungen lag in der Bestimmung des CI, dem Chemischen Index, um damit die Wahrscheinlichkeit für Leben zu deuten. Dabei dienten verschiedene Subindizes, mit denen die Werte zu einem Richtwert nach genormtem System umgerechnet wurden. Die Ergebnisse der Düsseluntersuchungen ließen leichte Mängel zum Vorschein kommen, die sich in jedem Gebiet (außer der Phospatbelastung) auszeichneten. Diese Mängel treten etwas stärker auch beim Rhein auf, wobei sich vermuten lässt, dass die Klärwerke mit geringstem Aufwand diese Mängel aufwerten können und somit trinkbares Leitungswasser aufbereiten. Anhand der schließlich erhaltenen Ergebnisse wurde eine Gewässergüte vom Wert I ‐ II festgestellt, ein Wert, der geringe Verunreinigungen beschreibt, die jedoch Leben in der Düssel nur in geringster Form beeinträchtigen. Die Ergebnisse der Untersuchungen des Changjiang fielen allerdings ganz anders aus. Durch eine stärkere Ausprägung der Mängel, die sich besonders im Sauerstoffgehalt, Sichtweite und Leitfähigkeit ausprägten, wurde eine Gewässergüte von III bestimmt. Dieser Wert umschreibt eine Verunreinigung des Wassers, die bereits als stark kontaminiert umschrieben wird. Dadurch ist Leben im Allgemeinen stark erschwert, wodurch man nur eine geringe Population von wenigen Fischarten im Changjiang entdecken kann. Die Fauna wird dadurch auch bis auf wenige Algenarten eingeschränkt. Des Weiteren würde Wasseraufbereitung im kurzfristigen Sinne kein trinkbares Wasser liefern, dafür müsste eine langfristige Änderung des Umweltverhaltens erfolgen. Wobei sich hierbei die Summe der Städte, die am Yangtse (und somit auch am Changjiang) ansiedeln, eine erhebliche Rolle spielt. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Qualität von Düssel und Rhein durch Jahre der Nachhaltigkeit in Düsseldorf zu einem so vorzeigbaren Ergebnis aufgewertet werden konnte. China und Chongqing speziell haben allerdings durch die in letzter Zeit erlebte industrielle Weiterentwicklung (und besonders durch die rücksichtslosen Aufholversuche mit dem industriell viel weiter entwickelten Europa) starke Verschmutzungen in den Flüssen verursacht, welche sich nur in langfristiger Arbeit wieder aufwerten lassen. Dabei könnte allerdings die Städtepartnerschaft unserer Städte Düsseldorf als gut vorangegangenes Vorbild Hilfe leisten lassen und Wissen über Wege zur Wiederherstellung einer erträglichen Umwelt bereitstellen.

Roman Hagendorn, Jgst. 11